Jahreszeitliche und konjunkturelle Faktoren belasten den Arbeitsmarkt
Passend zu den winterlichen Temperaturen weht auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt ein eisiger Wind. Wie in den Vorjahren steigt die Zahl der Arbeitslosen im Januar deutlich an. Derzeit sind im Bezirk der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald, der die Landkreise Altenkirchen, Neuwied, Rhein-Lahn und Westerwald umfasst, 18.528 Menschen ohne Job gemeldet. Das sind 1.328 Personen mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote erhöht sich damit innerhalb des vergangenen Monats um 0,4 Prozentpunkte und liegt nun bei 5,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreswert entspricht dies einem Anstieg um 0,2 Prozentpunkte.
„Der saisonal bedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresauftakt ist jedes Jahr zu beobachten“, sagt Elmar Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Rhein-Wied-Westerwald. „Zum Jahresende stellen Unternehmen erfahrungsgemäß weniger neue Beschäftigte ein. In der kalten Jahreszeit gibt es außerdem weniger Außenjobs, etwa im Baugewerbe oder der Landwirtschaft, hinzu kommen die Auswirkungen von vermehrten Befristungen und Kündigungsterminen zum 31. Dezember.“ Das spiegeln auch die Bewegungsdaten: Im Januar meldeten sich 2.214 Menschen wegen Jobverlust neu arbeitslos, aber nur 1.070 Arbeitslose fanden eine neue Beschäftigung.
Gleichzeitig verdeutlichen die weiterhin hohen Werte der vergangenen Monate sowie der erneute Anstieg gegenüber dem Vorjahr, dass auch die konjunkturelle Schwäche die Lage zusätzlich belastet. „Die Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Phase zwischen anhaltender Krise, Rezession und einer sehr langsamen Stabilisierung“, so Elmar Wagner. Umso erfreulicher sei es, dass sich der regionale Stellenmarkt nach wie vor vergleichsweise stabil zeige.
Im Monatsverlauf wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Jobcentern und Arbeitsagentur 745 neue Stellen gemeldet. Das sind 54 weniger als im Vormonat, zugleich aber 103 mehr als im Januar 2025. Der Bestand bleibt mit 5.199 Jobangeboten auf einem guten Niveau und unterstreicht die grundsätzliche Einstellungsbereitschaft der regionalen Betriebe.
Und doch bleiben diese Chancen oft ungenutzt, weil Angebot und Nachfrage nicht zueinanderpassen. Die Qualifikationen vieler Arbeitssuchender entsprechen zunehmend nicht den Anforderungen der Arbeitgeber. Dies spiegelt sich auch in der steigenden Zahl jener, die länger als ein Jahr arbeitslos sind und daher als langzeitarbeitslos gelten, wider. Mit 5.606 Personen liegt diese Zahl um 603 höher als vor einem Jahr. „Die Erkenntnis, dass eine fundierte Berufsausbildung vor Arbeitslosigkeit schützt und die Möglichkeiten für eine schnelle Rückkehr in die Beschäftigung signifikant verbessert, ist nicht neu und lässt sich über Jahrzehnte belegen“, sagt Elmar Wagner. Die Arbeitsagentur unterstütze daher Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind betroffen sind dabei, Qualifizierungsbedarfe zu erkennen und entsprechende Weiterbildungen zu absolvieren.
Wer an Qualifizierung und Förderung teilnimmt, wird währenddessen laut Gesetz nicht als Arbeitsloser gezählt. Um hier Transparenz zu schaffen, publiziert die Bundesagentur für Arbeit jeden Monat die sogenannte Unterbeschäftigungsquote. Sie bezieht all jene ein, die zur Erhöhung ihrer Integrationschancen arbeitsmarktpolitisch gefördert werden. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil ihnen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftlich bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt.
Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit ist die Unterbeschäftigung im Monatsverlauf weniger stark gestiegen und im Vorjahresvergleich sogar leicht zurückgegangen. Der Statistikservice der Bundesagentur für Arbeit zählt aktuell 22.552 unterbeschäftigte Personen, was eine Steigerung von 850 Personen zum Vormonat und eine Verringerung von 329 Personen (-1,4 Prozent) zum Vorjahr ausmacht. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 6,9 Prozent – 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Abschließend der geteilte Blick auf die vier Landkreise, die von der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald betreut werden.
Im Kreis Altenkirchen haben derzeit 4.581 Personen keine Beschäftigung. Das sind 252 mehr als im Vormonat und 287 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent und liegt 0,3 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Im Kreis Neuwied sind Ende Januar 5.854 Männer und Frauen arbeitslos. Das sind 407 Personen mehr als vor einem Monat und 210 mehr als vor einem Jahr. Die Quote ist im Januar um 0,4 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent gestiegen. Im Vorjahr betrug sie 5,5 Prozent.
Im Rhein-Lahn-Kreis liegt die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent um 0,5 Punkte über der Dezemberquote und 0,2 Punkte unter der Quote vor einem Jahr. Derzeit sind 3.253 Personen ohne Arbeit, das sind 287 mehr als vor einem Monat und 96 mehr als vor einem Jahr.
Im Westerwaldkreis sind 4.840 Menschen ohne Job – 382 mehr als im Dezember und 169 mehr als im Vorjahr. Die Quote ist in den vergangenen Wochen von 3,8 auf 4,1 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr waren es 4 Prozent. (Arbeitsagentur Montabaur)



