Eberhard Ströder setzt sich zur Ruhe
Dienst im Kirchenvorstand und an der Kirchenorgel endet – Herz für Tansania schlägt weiter
Westerwaldkreis. Eberhard Ströder setzt sich zur Ruhe – nach knapp 60 Jahren im Kirchenvorstand und fast 65 an der Kirchenorgel. In der Evangelischen Kirche Nordhofen haben sich nun viele WegbegleiterInnen von ihm verabschiedet und sein bemerkenswertes Engagement mit einem feierlichen, emotionalen Gottesdienst gewürdigt. Ein Engagement, das weit über den kirchlichen Dienst hinausgeht.
Eberhard Ströders Herz schlägt für Tansania. Immer noch. Auch wenn er in seinem Einsatz für das afrikanische Land ebenfalls kürzer treten muss. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat der Mogendorfer dort unter anderem am Bau einer Schreinerei mitgewirkt und eine Nähwerkstatt ins Leben gerufen. Dafür sammelt er Spenden, zahlt von seinem Organistenhonorar die regelmäßigen Reisen nach Ostafrika und koordiniert gemeinsam mit seinem Freund Lee Cosmas Ndeiy die Projekte vor Ort. Das letzte und größte ist der Bau einer Grundschule in Segera, im Nordosten des Landes. Die Arbeiten begannen 2016 und enden dieses Jahr.
Der Gottesdienst in Nordhofen erzählt all diese Geschichten. Von einem Menschen, der sich mit viel Humor, einem tiefen Glauben und aus Dankbarkeit heraus für seine Nächsten einsetzt. Und der mit dem afrikanischen Land immer verbunden bleibt. In der Kirche zeigen Fotowände den Fortschritt des Schulprojektes; viele tragen bunte Kleidung, wie sie in Tansania üblich ist – unter anderem die Sängerinnen und Sänger des Amani Gospelchores aus Gladenbach, den Lee Cosmas Ndeiy leitet und der Ströder mit Gospels, Spirituals und Stücken in afrikanischen Sprachen Segen mit auf den Weg gibt.
Während des Gottesdienstes geht es oft um Wege. Pfarrerin Friederike Zeiler spricht über solche, die verschlungen sind; über diejenigen; die ein Ziel haben und die, die Überraschungen bergen, weil Gott mitgeht. Eberhard Ströder kennt diese Wege der gesegneten Überraschungen, ist sich die Pfarrerin sicher. Und der ehemalige Vorsitzende des Nordhofener Kirchenvorstands, Dominik Neuer, findet es schön, dass die Wege auch immer wieder von Afrika in die Heimat geführt haben – zu seiner Familie und seiner Frau Renate, die ihn in all den Jahren immer unterstützt. „Du hast Dein Leben gelebt und lebst es immer noch. Hast es genossen und genießt es immer noch. Du hast Dich für andere eingesetzt und tust es immer noch. Du bist uns ein Vorbild, Eberhard. Dafür danke ich Dir im Namen der Kirchengemeinde von Herzen.“
Eberhard Ströder selbst sagt in diesem Gottesdienst nichts. Das muss er auch nicht. Er darf nach einem langen Leben für andere einfach nur genießen und zuhören. Zum Beispiel dann, wenn Helmut Eiser Ströders Lieblingslied „Sierra Madre del Sur“ auf der Kirchenorgel spielt – und die Tränen fließen. Gerne hätte Eberhard Ströder noch länger selbst an der Orgel gesessen. „So lange, wie der Adenauer Kanzler war“, hat Eberhard Ströder mal lächelnd gesagt. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt: Konrad Adenauer war in seinem letzten Amtsjahr 87 Jahre, Ströder „nur“ 84. Aber 65 Jahre im Dienst hat selbst der Kanzler nicht geschafft. (bon) (Evangl. Dekanat WW)



