DER GEHEIMNISVOLLEN WELT DER HEIMISCHEN EULEN AUF DER SPUR
Gackenbach/Buchfinkenland. Nicht nur im wiederbelebten Wildpark Westerwald in Gackenbach sind viele heimische Wildtiere zu entdecken: auch außerhalb des in herrlicher Landschaft gelegenen weitläufigen Parks ist eine interessante Flora und Fauna zu erleben – und das nicht nur bei Tageslicht. Das wurde bei einer Exkursion zum Thema „Faszination Eulen“ am Rande des Wildparks deutlich. Dazu hatte der Westerwald-Verein Buchfinkenland in Kooperation mit dem Naturpark Nassau eingeladen.
Bei guten Beobachtungsbedingungen – fast windstill und trocken – sowie strahlendem Mond, versammelten sich jüngere und ältere Naturbegeisterte, um von Biologe und Naturpark-Mitarbeiter Simon Ostermann mehr über die geheimnisvolle Welt der heimischen Eulen zu erfahren. Er stellte zu Beginn unsere Arten Steinkauz, Schleiereule, Waldohreule und Uhu vor. An Exponaten von Waldkauz und Waldohreule wurden Anpassungen an die besondere Lebensweise der Eulen erläutert. So ermöglichen einige Besonderheiten den Eulen hervorragendes räumliches Hören und Sehen sowie einen beinahe lautlosen Flug: Letzteres macht sie auch bei wenig Licht und stillen Nächten zu erfolgreichen Jägern.
„Wegen ihrer meist nächtlichen Lebensweise und der oft als schaurig empfundenen Rufe, sagte man den Eulen bei uns für lange Zeit so manche düstere Eigenschaft nach, befeuert durch allerlei Aberglaube“ so Ostermann. Doch schon lange habe sich das Negativimage der Eulen geändert und sie gelten heute nicht nur als faszinierender Teil der heimischen Vogelfauna, sondern ihre wichtige Rolle im Ökosystem sei anerkannt.
Nach dieser theoretischen Einführung begab sich die auf 20 Teilnehmende begrenzte Gruppe auf eine Entdeckungsreise am Waldrand entlang Richtung Wildpark, wo verschiedene Lebensräume wie Wald und Streuobstwiesen zu finden sind, die für verschiedene Eulenarten eine große Bedeutung haben. Hier zeigte sich, dass so eine Eulenerkundung nichts für Leute ist, die Action und Kurzweil suchen. Stille war angesagt, unterbrochen nur durch sanfte Infos des Exkursionsleiters. Herrschte zunächst noch Schweigen im Walde, erschallte bald das erste „Huu-hu-huhuu“ eines Waldkauzes, dem weitere Rufe aus anderen Richtungen folgten.
Insgesamt bot die Exkursion eine Mischung aus praktischer Naturerfahrung und fundierter Wissensvermittlung. Die Teilnehmenden konnten nicht nur die faszinierenden Eulen in ihrem natürlichen Lebensraum erleben, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Naturschutzmaßnahmen entwickeln, die zum Schutz dieser einzigartigen Vögel beitragen.
Gefragt wurde nach dem Uhu, der größten Eulenart Europas mit einer Spannweite bis zu 170 cm. Der „König der Nacht“ war Mitte des vergangenen Jahrhunderts bei uns fast ausgerottet, ist aber nach Schutzmaßnahmen und dank systematischer Auswilderungen über mehrere Jahrzehnte hinweg wieder heimisch geworden. „Im Gelbachtal ist der Ruf des Uhus oft deutlich zu hören“, unterstrich der Gackenbacher Jagdpächter Martin Wendlandt diese Feststellung.
Doch nicht nur die Eulen weckten im ebenso stillen wie dunklen Wald das Interesse der Teilnehmen: auch ein Fuchs schien sich für die „Eindringlinge“ zu interessieren und am Waldrand ließen sich vier stattliche Damwild-Exemplare, die wohl schon vor Wochen aus dem Wildpark ausgebüxt waren, nicht beim Abendessen stören. Auch das wiederholte „Schrecken“ einiger Rehe tiefer im Wald war unüberhörbar.
Am Ende der Exkursion dankte Uli Schmidt für den Westerwald-Verein dem Exkursionsleiter Simon Ostermann sowie dem Naturpark Nassau und allen Teilnehmenden für eine spannende Naturerkundung. Er freute sich darüber, dass der Experte einen ähnlichen Ausflug zum Rotmilan in Aussicht stellte, bedauerte aber, dass unter den vielen Interessierten nur wenige Mitglieder des gemeinsam mit dem Naturpark einladenden Zweigvereins Buchfinkenland im Westerwald-Verein waren: „Die Einwohner des Buchfinkenlandes interessieren sich wohl nur für die Buchfinken und nicht für Eulen“, meinte ein Teilnehmer scherzhaft. (Uli Schmidt)



