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WANDERWEINPROBE AN DER COTE D´AZUR DES WESTERWALDES

Buchfinkenland / Weinähr-Obernhof. Wandern in der Natur verbindet – und das noch mehr, wenn es mit heimischem Wein zu tun hat! Dies die Erkenntnis des Westerwald-Vereins Buchfinkenland nach der sehr gelungenen Premiere einer „Wanderweinprobe“ in Kooperation mit dem Verein „Geweinschaft e.V.“, an den südlichen Hängen des Westerwaldes in Weinähr und Obernhof. Viele Wander- und Weinfreunde waren rund um die Mündung des Gelbachs in die Lahn dabei und durften zusammen mit fast 30 Gleichgesinnten einen wunderbaren Tag zusammen verbringen!

„Willkommen in der Côte d'Azur des Westerwaldes“, so begrüßte Karl Friedrich Merz als Vorsitzender der gastgebenden „geweinschaft“ die Gäste aus dem Buchfinkenland und darüber hinaus zum Start der 6-stündigen Weinwanderung in Weinähr. Seit über 800 Jahre werde als Teil des Anbaugebietes Mittelrhein, in Obernhof und Weinähr, Wein angebaut. „Heute sind es die beiden letzten noch verbliebenen Orte an der Lahn, in denen professioneller Weinbau betrieben wird,“ so Merz. Im Rahmen einer großen Flurbereinigung, der Kooperation zwischen den beiden Gemeinden und den örtlichen Winzern seien inzwischen, dank öffentlicher Zuschüsse, seit 2012 etwa 3,5 Mio. € in die Erhaltung des örtlichen Weinbaus und der touristischen Infrastruktur investiert worden.

Und schon war der Steilhang am ersten von 2 Bürgerweinbergen zu bewältigen: dort, ebenso wie an 4 weiteren Stationen am etwa 8 km langen Rundwanderweg, durfte ein Wein probiert und ein kleiner Snack zu sich genommen werden. Unterwegs wurde von Mitgliedern der „geweinschaft“ immer wieder über die Historie und die aktuelle Situation des Weinbaus vor Ort informiert. So erfuhren die interessierten Gäste, dass im Zuge der Flurbereinigung durch eine Leader-Förderung die beiden Bürgerweinberge mit einer Gesamtgröße von ca. 0,5 Hektar, zur Förderung einer aktiv gelebten Weinkultur an der Lahn, für jedermann zum Mitmachen, angelegt wurden. Gebaut wurden ebenso, nach historischem Vorbild, auch 2 neue Wingerthütten. Dies alles sind wichtige Beiträge dazu, dass die gesamten genutzten Weinbergflächen von ca. 6 ha nun auf 12 ha Rebfläche vergrößert werden konnten. Oliver Hansmann fügte als Aktiver der „geweinschaft“ und Begleiter der Tour hinzu: „Es ist gut, dass man heute solche neu angelegten Weinberge in der Steillage nicht nur von Hand, sondern überwiegend mit dem Einsatz eines Raupen-Mechanisierungssystems bewirtschaften kann“.

Begeistert waren die „Buchfinken“ auch von dem überwiegend genutzten Lahn-Wein-Stieg, bei dem hinter jeder Kurve ein neu zu entdeckendes Naturschauspiel im Steilhang mit oft grandiosen Aussichten wartete. Natürlich setzte die Bewältigung des Stieges ein Mindestmaß an körperlicher Fitness voraus, was aber für alle Teilnehmenden kein Problem war. Da der Verein offen für jedermann ist, ziehen einige Teilnehmende in Erwägung, das Angebot der geweinschaft anzunehmen, ein Weinjahr im Bürgerweinberg aktiv mitzuerleben oder zumindest bei einzelnen Arbeitseinsätzen mit anzupacken. Dadurch eröffnet sich dann auch die Möglichkeit, Teil einer Gemeinschaft zu werden, die nicht nur die Liebe zum Wein und zur Natur teilt, sondern auch echte Verbindungen schafft.

Als eine der Stationen durfte natürlich der Goethepunkt oberhalb von Obernhof nicht fehlen, wo nach dem bewältigten Aufstieg ebenfalls ein schmackhafter Wein ausgeschenkt und ein kleiner Imbiss gereicht wurde. Einfach überwältigend von dort die Aussicht ins Lahntal und zum gegenüber liegenden Kloster Arnstein. Karl Friedrich Merz verschönerte die Aussicht mit Geschichten rund um Johann Wolfgang von Goethe. In der Nähe des Goethepunktes verläuft die Alte Poststraße, auf der Goethe 1772 voller Liebeskummer wanderte. Auf einem Platz oberhalb von Obernhof soll er den Satz gesprochen haben: „Hier ist ein schöner Platz zum Sterben!“. Viele Jahre später bereiste er, nach einem Besuch einer Grubenanlage in Holzappel, die gleiche Straße, lies gegenüber einer aufgelassenen Abtei anhalten und sammelte an einer Steinhalde die „Goethesteine“, die heute noch in seinem ehemaligen Büro in Weimar zu finden sind.

Und etwas ganz Besonderes war dann auch eine weitere Weinprobestation oberhalb des Bürgerweinberges in der Ortslage von Obernhof, wo „Wingertschütz“ Monique Podewils mit einem Blanc de Noir aus der Cabernet Cortis Rebe eine Rarität ausgeschenkt hatte. Mit Geschichten rund um den Lahnwein fesselte sie die Gäste und stellte weitere in Obernhof-Weinähr angebaute Weine, wie den Souvignier Gris vom Obernhofer Goetheberg, vor. „Ihr seit euch sicher bewusst, dass ihr hier heute etwas Besonderes erleben dürft, dessen Grundlagen nur mit viel Leidenschaft gelegt werden konnten“, so Podewils. Sie verband das mit dem Hinweis, dass alles ehrenamtlich gemacht wird, aber der Verein den Wein auch vermarkten muss, um weiter bestehen zu können.

Nach viereinhalb Stunden auf den Beinen folgte dann als „Belohnung“ der Abschluss an der Wingerthütte oberhalb von Obernhof: dort hatten bei strahlendem Sonnsenschien – der nur zwischendurch von einem Regenschauer getrübt wurde – einige Aktive der gastgebenden geweinschaft nicht nur die zuvor schon getesteten Weine ausgeschenkt, sondern auch die Tische liebevoll mit allerlei leckeren Sachen gedeckt – schöner hätte der Abschluss des Tages wirklich nicht sein können!

Für den Westerwald-Verein Buchfinkenland dankte Vorstandsmitglied Uli Schmidt dem gastgebenden Verein und den beteiligten Helfer/innen für die überwältigende Gastfreundschaft und deren Engagement: „Was ihr hier als Verein seit 2021 und schon davor aufgebaut habt, ist großartig und verdient hohe Anerkennung“. Schnell wurde von Karl Friedrich Merz eine Einladung zu einer weiteren Wanderweinprobe ins Westerwälder Weinanbaugebiet an der Lahn zu kommen ausgesprochen, die dankbar angenommen wurde.

Bereits am Sonntag, 25.10.2026 ab 13.00 Uhr an der Kirche in Gackenbach, lädt der Westerwald-Verein Buchfinkenland in Form seiner traditionellen Herbstwanderung wieder zu einer Wanderung nach Obernhof und Weinähr ein – zwar ohne Weinprobe, aber mit abschließender Einkehr im Weinhaus Treis in Weinähr. Dazu sind alle Interessierten willkommen. (Uli Schmidt)