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Wegränder und Feldraine – kostbare
Lebensräume in ausgeräumten Feldlandschaften
NABU Hundsangen appelliert an Gemeinden, Landwirte und Straßenmeistereien:

In den letzten Jahren wurde immer wieder über das Insektensterben und den Rückgang der Feld- und Wiesenvögel berichtet. So hat sich die Zahl brütender Kiebitze in Deutschland seit den 1990 Jahren auf ein Viertel reduziert; die Anzahl der Rebhühner ist seit den 1970 sogar auf einen Bruchteil des ursprünglichen Bestandes geschrumpft. Zudem zeigte eine Studie im Jahr 2017, dass in den letzten 27 Jahren die Biomasse der Fluginsekten in Schutzgebieten Nordwestdeutschlands um über 75% zurückgegangen ist.


Besorgniserregende Entwicklungen auch in Hundsangen und anderen Westerwald-Gemeinden:
Das letzte Kiebitzpaar zwischen Hundsangen, Malmeneich und Obererbach brütete 1990; heute ist die Art im Westerwald ausgestorben. Auch das Rebhuhn verschwand bereits vor Jahren aus vielen Gemeinden. Die Rauchschwalbe verließ vor über 15 Jahren den Ortskern (früher ca. 30 Paare, heute nur noch Einzelbruten auf Aussiedlerhöfen). Der Gartenrotschwanzbestand erlosch in Hundsangen bereits in den 1990 Jahren; in der gesamten Verbandsgemeinde Wallmerod existiert nur noch ein einziges Paar. Auch die Bestände der Goldammer nehmen im Westerwald weiter dramatisch ab. 2024 folgte der nächste Verlust: In Hundsangen und Obererbach konnten keine Feldsperlingsbruten mehr nachgewiesen werden. Ihm fehlen Brachen, Hecken, Obstwiesen und ungemähte Wegränder – Lebensräume, die zusehends verschwinden.
Wir werden Sie alle schmerzlich vermissen!
Aus diesem Grund werden Wegränder und Feldraine immer wichtiger, zumal vielerorts Hecken, Baumreihen, Streuobstwiese, blütenreiche Mähwiesen und Brachflächen verschwunden sind. Werden diese Ränder erst spät gemäht – also zwischen Oktober und Februar –, bieten sie Wildblumen, Insekten, Vögeln und dem Niederwild wie dem Feldhasen einen lebensnotwendigen Rückzugsraum. Besonders günstig wirkt es sich aus, wenn die Flächen erst im folgenden Frühjahr gepflegt werden, da viele Insekten in den abgestorbenen Pflanzenstängeln überwintern.
Zudem dienen stehen gelassene Ränder der Vernetzung blütenreicher Flächen. Gerade nach der Ernte bietet diese Reststruktur Deckung in der sonst „ausgeräumten“ Landschaft. Ein wichtiger technischer Aspekt: Die Flächen sollten gemäht statt gemulcht werden. Beim Mulchen werden Insekten und Kleintiere förmlich zerkleinert; zudem wird umherliegender Müll in Mikroplastik zerlegt, das nicht mehr entsorgt werden kann.
Neben dem Naturschutz sparen Gemeinden, Straßenmeistereien und Landwirte durch den reduzierten Pflegeaufwand finanzielle Mittel und schonen das Klima. In unserer Region haben sich bereits einige Ortschaften dazu entschieden, die Wegränder zwischen März und September unberührt zu lassen. (Nabu Hundsangen)