Stressbelastung und Schlafstörungen zählen heute zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen. Viele Menschen fühlen sich dauerhaft angespannt, finden abends keine Ruhe oder wachen nachts immer wieder auf. Die Folgen reichen von Erschöpfung und Konzentrationsproblemen bis hin zu körperlichen Beschwerden.
Schlafstörungen können dabei sowohl ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen als auch als Begleitsymptom im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. In jedem Fall führen sie häufig zu einer veränderten Reaktionslage des Körpers: Das autonome Nervensystem und auch die hormonelle Regulation geraten aus dem Gleichgewicht.
Auch stressbedingte Belastungszustände sind medizinisch anerkannt. Fachleute gehen zudem davon aus, dass die tatsächliche Häufigkeit deutlich höher liegt, da viele Betroffene keine ärztliche Hilfe suchen oder Stressbelastung nicht eindeutig diagnostiziert wird. Die Wahrnehmung psychischer Belastungen – Stress als häufigste Form – nimmt in Deutschland seit Jahren spürbar zu.
Anders als bei vielen organischen Erkrankungen gibt es dabei jedoch keine einfache medikamentöse Therapie, wie man sie etwa von Asthma oder Bluthochdruck kennt. Schlafmittel oder Psychopharmaka können in bestimmten Fällen kurzfristig unterstützen, sollten jedoch in der Regel nur vorübergehend und unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Umso größer ist der Bedarf an nachhaltigen, nicht-medikamentösen Ansätzen.
Dabei ist Stress nicht nur eine Frage der äußeren Belastung, sondern auch der persönlichen Verarbeitung: Während manche Menschen Belastungen gut kompensieren, geraten andere schneller in eine anhaltende Überforderung – mit spürbaren Auswirkungen auf Körper und Nervensystem.
Genau hier setzt eine neue wissenschaftliche Untersuchung an, die nun im Heilstollen der Grube Bindweide durchgeführt wird. In Deutschland gibt es nur rund ein Dutzend anerkannte Heilstollen, in denen diese Form der Behandlung angeboten wird.
Der Heilstollen der Grube Bindweide liegt unweit von Siegen in Steinebach/Sieg im Kreis Altenkirchen und bietet damit Menschen aus dieser Region die Möglichkeit, an einer innovativen medizinischen Studie teilzunehmen.
„Viele Menschen berichten seit Jahren, dass sie nach Aufenthalten im Heilstollen besser schlafen und insgesamt gelassener mit Belastungen umgehen können“, erklärt Dr. med. Joachim Schwarz vom Deutschen Heilstollenverband. „Eine wissenschaftliche Untersuchung speziell zu Stress und Schlafstörungen fehlt bislang – genau das möchten wir jetzt ändern.“
Die Untersuchung wird nicht nur in der Grube Bindweide durchgeführt: Insgesamt sind sechs weitere anerkannte Heilstollen in Deutschland und Österreich an dem Projekt beteiligt. Damit handelt es sich um eine überregionale wissenschaftliche Studie, die die Wirkung der Heilstollentherapie umfassend erfassen soll.
Begleitet wird die Untersuchung durch die Universität Gießen, wo sie im Rahmen mehrerer medizinischer Promotionsarbeiten wissenschaftlich ausgewertet wird. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. med. Natascha Sommer (Medizinischen Klinik II).
Ruhe, gute Luft und Zeit für eine nachhaltige Umstimmung
Heilstollen zeichnen sich durch eine außergewöhnlich ruhige Umgebung aus: abgeschieden von äußeren Reizen, mit stabiler Temperatur, guter Luft und einer besonderen Stille. Diese Bedingungen können dem Körper helfen, aus einem dauerhaften Alarmzustand herauszufinden.
Ein wichtiger Punkt ist dabei auch die Dauer: Die Therapie erfolgt bewusst über drei Wochen, denn eine solche Kur soll nicht nur kurzfristig entspannen, sondern eine nachhaltige Umstimmung im Körper ermöglichen. Der Organismus bekommt Zeit, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren und neue Gleichgewichte im Nervensystem aufzubauen.
Besonders im Fokus steht der Vagusnerv, der als sogenannter „Ruhenerv“ gilt. Er ist maßgeblich daran beteiligt, den Körper in einen Entspannungszustand zu bringen.
Wird seine Aktivität gestärkt, kann dies zu einem ausgeglicheneren Nervensystem führen – und damit auch die Fähigkeit verbessern, mit Stresssituationen gelassener umzugehen und bessere Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Cortisol wieder im natürlichen Tagesrhythmus
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf dem Stresshormon Cortisol. Dieses Hormon folgt bei gesunden Menschen einem klaren Tagesrhythmus: Es ist morgens erhöht, um den Körper zu aktivieren, und sinkt im Laufe des Tages ab, sodass abends die niedrigsten Werte erreicht werden.
Bei chronischem Stress und Schlafstörungen kann dieser Rhythmus jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Die Studie soll klären, ob die dreiwöchige Heilstollentherapie dazu beitragen kann, dass sich diese hormonelle Stressreaktion wieder normalisiert.
Was wird untersucht?
Die Studie geht der Frage nach, ob eine dreiwöchige Heilstollentherapie
• Stresswahrnehmung und Stressbewältigung positiv beeinflusst,
• die Schlafqualität verbessert
• und messbare Veränderungen beim Stresshormon Cortisol bewirkt. Dabei wird das Hormon sowohl im Speichel als auch im Haar untersucht. Dafür ist eine Mindesthaarlänge von vier Zentimetern erforderlich.
Die Teilnehmenden absolvieren eine Kur mit Aufenthalten im Stollen:
• Dauer: 3 Wochen
• 5 Tage pro Woche
• jeweils 2 Stunden unter Tage
Kostenlose Teilnahme – begrenzte Plätze
Sowohl die Untersuchungen als auch die Heilstollenkur sind kostenlos. Insgesamt stehen in der Grube Bindweide 24 Plätze zur Verfügung.
Kontakt
Interessierte können sich direkt an das Studienteam wenden:
Deutscher Heilstollenverband – Studie
Dr. med. Joachim Schwarz
Waldstraße 30, 57520 Dickendorf
Tel.: 02747 / 5760 346
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