Beim Bildungsdialog „60 Minuten Landespolitik“ in Selters stellte sich der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber (SPD) offen den Fragen von Lehrkräften, Eltern und jungen Menschen. Eingeladen hatte der heimische SPD-Landtagsabgeordnete und Landtagspräsident Hendrik Hering. Der Termin machte deutlich: Die SPD nimmt die Herausforderungen im Bildungsbereich ernst und setzt auf Dialog, Unterstützung und strukturelle Reformen.
Im Mittelpunkt standen die spürbaren Herausforderungen in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen. Teuber unterstrich, dass Rheinland-Pfalz im Ländervergleich weiterhin zu den gerechtesten Bundesländern im Bildungswesen gehört – zugleich aber noch nicht am Ziel sei. Der Grundsatz „100 Prozent Potenzial, 0 Prozent Herkunft“ bleibe Leitlinie sozialdemokratischer Bildungspolitik. Gerade der enge Zusammenhang von Armut und Bildung erfordere gezielte Förderung, mehr Sprachbildung und stabile Beziehungsarbeit.
Ein zentrales Signal des Abends war die Ankündigung des Bildungsministers, die Einrichtung einer zusätzlichen, unabhängigen Anlaufstelle für Lehrkräfte vorzunehmen. Diese soll Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen, die mit seelischer, verbaler oder körperlicher Gewalt – etwa durch Schüler oder Eltern – konfrontiert sind. Die neue Stelle wird ergänzend zum Institut für Lehrergesundheit geschaffen und soll schnelle, unbürokratische Hilfe ermöglichen. Damit setzt die SPD ein klares Zeichen für den Schutz, die Wertschätzung und die Entlastung von Lehrkräften.
Auch die Stärkung und Weiterentwicklung der Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) war Thema. Teuber machte deutlich, dass die Schulaufsicht künftig noch stärker als unterstützende und beratende Instanz für Schulen und Schulleitungen wirken soll.
Auch strukturelle Fragen des Schulalltags wurden intensiv diskutiert. Teuber sprach sich für stabile Klassenverbände und mehr Beziehungs- und Bindungsarbeit aus. Er betonte, dass Schulen Gestaltungsfreiheit brauchen, um pädagogisch sinnvoll arbeiten zu können. Gleichzeitig machte er deutlich, dass schwierige Schüler nicht vorschnell ausgegliedert werden dürften. Ziel bleibe es, allen Kindern und Jugendlichen möglichst gute Bildungschancen an den Regelschulen zu eröffnen.
Ein besonderer Moment des Abends war die Wortmeldung einer Jugendlichen, die die mentale Gesundheit vieler Schülerinnen und Schüler thematisierte. Teuber bekräftigte, dass Schule nicht nur Lern-, sondern auch Lebensraum sei. Maßnahmen zur Entlastung – etwa der Verzicht auf unangekündigte Leistungsüberprüfungen – sollen Stress reduzieren und Raum für Kreativität, Motivation und Persönlichkeitsentwicklung schaffen.
Der Bildungsdialog in Selters zeigte deutlich: Die SPD hört zu, nimmt Kritik ernst und verbindet sie mit konkreten politischen Konsequenzen. Mit der Reform der Schulaufsicht, neuen Unterstützungsangeboten für Lehrkräfte und einem klaren Bekenntnis zu Bildungsgerechtigkeit arbeitet die SPD konsequent an einem menschlichen, gerechten und leistungsfähigen Bildungssystem in Rheinland-Pfalz. (Hendrik Hering)



