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Kreis Altenkirchen/Niederfischbach. Er ist der letzte Exote, ein „Fremder in einem fremden Land“, um es mit dem berühmten Roman von Robert A. Heinlein („Stranger in a strange land“) zu sagen. Wenn Berberaffe „Louis“ aus seinem Gehege im Tierpark Niederfischbach blickt, sieht er vieles – nur keine anderen Tiere, die aus ähnlichen Breitengraden stammen wie er. Und schon mal gar keine Artgenossen. Was sich nun ändern wird. Nach langer, vergeblicher Suche ist es gelungen, für „Louis“ eine neue Heimat zu finden, dank der gemeinsamen Bemühungen des Veterinäramts der Kreisverwaltung Altenkirchen, des Tierpark-Vereins und der Tierschutz-Organisation Stichting AAP.


Der Berberaffe war vor vielen Jahren Teil einer Gruppe von vier Tieren, die vom Affen- und Vogelpark in Eckenhagen an den Tierpark Niederfischbach abgegeben wurden. Doch spätestens mit der kompletten Neuausrichtung des Parks im Jahr 2012 mit der Fokussierung auf einheimische Tierarten waren die Primaten gewissermaßen fehl am Platz. Schon damals wandte sich Tierpark-Vorsitzender Peter Merzhäuser Kontakt an Stichting AAP, die zwei Auffangstationen in den Niederlanden und in Spanien betreibt. Die Vermittlung scheiterte allerdings daran, dass vier Tiere „auf einmal“ schlichtweg zu viel waren.
Nachdem in den vergangenen Jahren drei der Berberaffen verstarben, blieb „Louis“ alleine zurück – und umso aussichtsloser wurde das Unterfangen, ihm andernorts ein neues Zuhause zu verschaffen. „Es ist unglaublich schwierig, ein Einzeltier in eine bestehende Gruppe zu integrieren“, so Tierpark-Vorsitzender Peter Merzhäuser, der immer wieder auch kritische Nachfragen von Besuchern beantworten musste. So machte der Berberaffe zuletzt nur dadurch Schlagzeilen, dass er aus seinem Gehege ausgebüxt und auf private Erkundungstour gegangen war.
„Daher bin ich froh und dankbar, dass die Kreisverwaltung die Initiative ergriffen hat“, sagt Merzhäuser. Dies geschah in Person von Tierärztin Dr. Yvonne Kersch, die sich des „Falles“ vor Kurzem noch einmal angenommen hatte. Dies nicht nur wegen wiederholter Anzeigen, sondern speziell vor dem Hintergrund, dass bei sozial lebenden Tieren „nur im Einzelfall und nur aus nachweislich nicht behebbaren Gründen und unter Hinzuziehung des Amtstierarztes die Einzelhaltung möglich ist“. Kersch nahm dann ihrerseits Kontakt zu Stichting AAP in Almere auf – mit Erfolg: „Dort hat man sich sofort dazu bereit erklärt, den Affen zu übernehmen und ihn wieder zu vergesellschaften.“
Doch gab es zunächst noch bürokratische Hürden zu überwinden: Der Berberaffe ist seit 2017 ein besonders streng geschütztes Tier, das zwingend Herkunftsnachweise benötigt. Das Problem: Für „Louis“ lagen eben diese nicht vor (selbst das Alter kann nur geschätzt werden), weshalb eine "Legalisierung" des Tieres nur mittels offizieller „Einziehung“ des Tieres durch die Kreisverwaltung möglich gewesen wäre. Aber auch hier kam es laut der Tierärztin zu einer schnellen Lösung „Der Tierpark hat uns den Affen freiwillig übereignet, sodass wir alle artenschutzrechtlichen Dokumente ausstellen können“, berichtet Kersch.

Nun rückt für „Louis“ der große Tag näher: Anfang August wird er unter Aufsicht eines Tierarztes und von einem geschulten Transportunternehmen nach Spanien transportiert. Dort kann der Berberaffe nicht nur dem Siegerländer Schmuddelwetter entfliehen, sondern seinen Lebensabend auch in Gemeinschaft verbringen. Der Tierpark wiederum will das verwaiste Gehege für Eichhörnchen, europäische Gleithörnchen und andere Tiere nutzen – die Zeit der Exotik ist dann endgültig vorbei. Und gerade deshalb lohnt sich für Jung und Alt nicht nur in den Ferien ein Besuch im Kesselbachtal. (Quelle Kreis Altenkirchen)