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Im Einsatz für intakte Ökosysteme, Wasserrückhalt und Artenvielfalt
Biotoppflege, Jungwaldpflege, Waldrandgestaltung und Pflanzung: Diese Arbeiten haben die fast 20 Bergwaldprojekt-Freiwilligen aus ganz Deutschland vom 27. September bis 3. Oktober 2026 in Hachenburg u. a. durchgeführt. Ziele des Einsatzes waren, die ökologische Situation am Projektstandort konkret zu verbessern und die Teilnehmenden auch über die Projektwoche hinaus für die akuten Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen und einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen zu sensibilisieren. Die Projektwoche wurde von der Westerwald Bank eG mit 13.500 Euro gefördert.


In Hachenburg haben Freiwillige Ende September / Anfang Oktober 2026 unter fachkundiger Anleitung von Projektleiter Jonas Marks (Bergwaldprojekt e.V.) und in Kooperation mit dem Forstamt Hachenburg / Waldbildungszentrum Rheinland-Pfalz eine Woche lang ganz vielfältige Arbeiten durchgeführt:
Durch den Wald der Gemeinde Heuzert verläuft ein Panorama-Rundweg entlang des Flusses Nister. Der Rundweg ist sehr beliebt und entsprechend stark frequentiert. Die vielfältige Ufer- und Waldlandschaft spiegelt im Kleinen aktuelle, große Themen unserer Wälder: Klimawandel, Kalamitäten und Trockenheit auf der einen, aber auch Wasser, Leben und Anpassungsfähigkeit auf der anderen Seite. An einer besonders markanten Stelle, die mit einem Rundumblick all diese Perspektiven bietet, haben die Freiwilligen eine überdachte Sitzgelegenheit für Waldbesuchende errichtet, die zum Innehalten und Nachdenken einlädt. Am 1. Oktober besuchten u. a. Christoph Sistig, Erster Beigeordneter der Gemeinde Heuzert, Markus Kurtseifer, Vorstand der Westerwald Bank eG, Peter Nauman, Vorstand Wald- und Umweltpolitik Bergwaldprojekt e. V. und Monika Runkel, Dienststellenleiterin Forstamt Hachenburg und Waldbildungszentrum die Freiwilligengruppe. Bei einer kleinen Einweihungsfeier wurden besonders das ehrenamtliche Engagement und die Zusammenarbeit gewürdigt. Markus Kurtseifer, Vorstand der Westerwald Bank eG, betont die Bedeutung des Engagements: „Als regional verwurzelte Genossenschaftsbank liegt uns der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen besonders am Herzen. Mit unserer Unterstützung des Bergwaldprojekts möchten wir gemeinsam mit den Freiwilligen einen konkreten Beitrag für Naturschutz in unserer Region leisten.“ Monika Runkel von Landesforsten Rheinland-Pfalz über den Einsatz: „Wir freuen uns sehr über das große Engagement der vielen Freiwilligen. Sie leisten hier einen wertvollen Beitrag für unsere Umwelt und Andere entgegen des allgemeinen Trends zur Verfolgung von Individualinteressen. Sie begegnen den komplexen Herausforderungen des Klimawandels selbstwirksam durch Zusammenarbeit.“ Peter Naumann (Bergwaldprojekt e.V.) ergänzt: „Die Teilnehmenden lernen bei ihrer gemeinsamen Arbeit nicht nur die enorme Bedeutung von Wäldern unter anderem für Klima und Biodiversität kennen, sondern entwickeln auch neue Beziehungen zur Natur. Die gemachte Erfahrung der Selbstwirksamkeit motiviert die Teilnehmenden oftmals auch darin, den eigenen Alltag naturverträglicher und damit zukunftsfähiger zu gestalten. Sie tragen somit zur dringend notwendigen sozial-ökologischen Transformation bei.“
Darüber hinaus wurden Pflegemaßnahmen an Fließgewässern bei Steinebach und Gehlert umgesetzt. Fließgewässer im Wald sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten. Um Beeinträchtigungen wie Erwärmung und Versauerung eines Waldbachs bei Steinebach vorzubeugen, haben die Freiwilligen dort Erlen gepflanzt. Die Erlen sorgen für eine ausreichende Beschattung und beugen damit einem Austrocknen an heißen Tagen vor. Außerdem ist ihre Blattstreu eine gute Nahrungsquelle für die im Bachbereich lebenden Arten. An einem Waldbach bei Gehlert wurden Pflegemaßnahmen zur natürlichen Regeneration des Ufers, die bereits im oberen Teil des Fließgewässers erfolgt sind, fortgesetzt.
Auch im Gemeindewald Wied gab es viel zu tun. Hier umfasst ein Jungwald zahlreiche Baumarten. Diese werden Waldbesucher*innen mit kleinen Infotafeln vorgestellt. Die jungen Bäume mussten teilweise freigestellt und die Infotafeln zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus gibt es einen Waldaußenrand, der durch Pflegemaßnahmen einen natürlicheren Charakter mitsamt Vorteilen für Artenvielfalt und Stabilität erhielt.
Oberhalb der Gemeinde Gehlert liegt das Quellgebiet Rothenbachtal. Hier treffen verschiedene Biotope aufeinander: Sicker- und Sumpfquellen, Quellbäche, Erlen-Bruchwald, basenarme Pfeifengraswiesen und bodensaurer Binsensumpf. Diese z. T. außergewöhnlichen Lebensräume sollen erhalten bzw. renaturiert werden. Zu diesem Zweck soll statt des Bachlaufes der ursprüngliche Moorcharakter erhalten werden. Dies geschieht durch Offenhaltung der Landschaft mit Pflegearbeiten der Ehrenamtlichen.
Biodiversität ist das Immunsystem unserer Ökosysteme und ein wichtiger Faktor für deren Resilienz. Gesunde Ökosysteme erbringen lebenswichtige Leistungen, auf die wir jeden Tag angewiesen sind. Biologische Vielfalt ist die Grundlage für gute Luft, sauberes Wasser und fruchtbare Böden. Sie hat weitreichende Funktionen für die Selbstregulierung aller Ökosysteme und für den Erhalt der Lebenskreisläufe. Der dramatische globale Verlust von Biodiversität und die ungebremste Klimakrise bedrohen das Leben in jeder Form.
Auf dem Programm standen für die Freiwilligen außerdem Arbeiten zum Wasserrückhalt im Wald: Durch Regenabfluss am Hang entstehen Wasserrinnen im Waldboden. Das ist ein natürlicher Prozess, der aber durch die Klimakrise, einhergehend mit immer mehr Starkregenereignissen, erheblich verstärkt wird. Mit der Zeit vertiefen sich diese Rinnen und führen zum Teil enorme Wassermengen. Hochwasser und Bodenerosion sind die Folge. Mit Hilfe von hölzernen Staustufen wird das Wasser verlangsamt und im Wald gehalten.
Im Wald der Stadt Hachenburg wurde für interessierte Waldbesucher*innen ein Arboretum angelegt. Damit die Pfade auch weiterhin begehbar und die verschiedenen Baumarten vorhanden bleiben, war ein Pflegeeinsatz erforderlich. Teilweise mussten kleinere Bäume gefällt und die Pfade durch das Arboretum freigeschnitten bzw. neu angelegt werden.
Die Einsatzwoche wurde von Bildungsarbeit begleitet und dadurch u. a. die durchgeführten Arbeiten in einen größeren Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhang gesetzt. In jeder Bergwaldprojekt-Woche ist zudem eine Exkursion vorgesehen, bei der die vielfältigen Aspekte des Ökosystems vor Ort näher beleuchtet und seine Bedeutung und Bedrohung besser verständlich gemacht werden. Das konkrete Beispiel hilft dabei, die globalen ökologischen Krisen zu veranschaulichen und Lösungsansätze erlebbar zu machen.
Ein Koch des Bergwaldprojekts kümmerte sich um die vegetarische, biologische und möglichst regionale und saisonale Verpflegung der Teilnehmenden. Untergebracht waren die Freiwilligen in einer historischen Gruppenunterkunft.
Erfolgreiche Kooperation von Ehrenamt, Privatwirtschaft und Verwaltung
Das Bergwaldprojekt und die Westerwald Bank arbeiten mit dem Ziel zusammen, die heimischen Waldökosysteme zu stabilisieren, um die wichtigen ökosystemaren Leistungen für Trinkwasser-, Boden-, Klima- und Artenschutz langfristig zu erhalten und wiederherzustellen. Die Westerwald Bank fördert die Projektwoche in Hachenburg in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal.
Bergwaldprojekt
Das Bergwaldprojekt organisiert seit mehr als 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. 2026 bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland ca. 5.000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden mehr als 170 Projektwochen an gut 90 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten. Der Verein finanziert seine Arbeit größtenteils aus Spenden. Dieses Jahr finden zudem 20 einzelne Einsatztage in ganz Deutschland statt, an denen standortheimische Bäume gepflanzt werden.
Das Bergwaldprojekt ist für den Einsatz der letzten Jahrzehnte mit mehr als 50.000 Freiwilligen vom Bundesamt für Naturschutz als UN-Dekade-Projekt zur Wiederherstellung der Ökosysteme ausgezeichnet. Weitere Informationen finden Sie unter www.bergwaldprojekt.de und waldbildungszentrum.wald.rlp.de. (VG Hachenburg) 

Kategorie: Bunte Meldungen
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