Drucken

Bürgermeister übernimmt das Gebäude – Verwaltung zieht Mitte November ein

Das neue Verbandsgemeindehaus in Montabaur ist (fast) fertig: Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich nahm symbolisch den Schlüssel von Architekt Ole Flemming entgegen. Mitte November wird die Verwaltung in das Gebäude einziehen; der Betrieb im neuen Haus beginnt am 17. November 2026. Bis dahin müssen noch Restarbeiten erledigt, das gesamte IT-System installiert, die Schließanlage eingebaut und verschiedene Probetriebe durchgeführt werden. In einer Feierstunde mit dem Verbandsgemeinderat, der Auftraggeber und Bauherr für das neue Verwaltungsgebäude ist, ließen die Projektbeteiligten die lange Planungs- und Bauphase Revue passieren. Im Oktober haben die Bürger die Möglichkeit, das Gebäude zu besichtigen; dazu werden geführte Rundgänge angeboten.

Die Schlüsselübergabe
„Wir haben heute das Haus, das wir hier brauchen – für die Menschen, für unsere Mitgliedsgemeinden, für die Stadt und für das Team der Verwaltung“, so das Fazit von Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich bei der feierlichen Schlüsselübergabe. Ja, die Bauzeit sei viel länger geworden, als ursprünglich gedacht, ja, der Kostenrahmen wurde überschritten, ja, es gab einige äußere und im Projekt liegende Krisen – „dennoch würde ich es nochmal machen, denn es hat sich gelohnt.“ Heute sei der Tag, allen Danke zu sagen, die zum Gelingen beigetragen haben: dem ehemaligen Bürgermeister Edmund Schaaf, der zusammen mit den damals politisch Verantwortlichen das Projekt auf die richtige Schiene gesetzt hat; dem Verbandsgemeinderat, der über viele Jahre das Projekt eng geführt und dabei alle Entscheidungen mit großer Mehrheit oder einstimmig getroffen hat; der Lenkungsgruppe; der Stadt Montabaur, die als Standortgemeinde die Rahmenbedingungen geschaffen hat; der Nachbarschaft, die eine scheinbar nicht enden wollende Baustelle ertragen musste; der Projektgruppe in der Verwaltung, insbesondere dem Projektleiter Stefan Baumgarten; den Fachplanern und Baufirmen, die „zum größten Teil wirklich super gearbeitet haben“; und schließlich dem Architekten Ole Flemming, der ein passgenaues Gebäude errichtet hat; „auch wenn sich am äußeren Erscheinungsbild nach wie vor die Geister scheiden.“

Diesen Ball nahm Architekt Ole Flemming auf, der mit seinem Planungsbüro 2018 den Architektenwettbewerb gewonnen und mit seinem Entwurf für viel Wirbel in der Region gesorgt hatte. „Tatsächlich haben wir noch nie so viel Gegenwind bekommen wie hier in Montabaur“, so Flemming. Dabei sei das Gebäude schlicht konzipiert, quasi der „Archetyp“ eines ganz normalen Hauses, wie es hundertfach in der Innenstadt und Region zu finden sei. Für ihn und sein Team sei der Wettbewerb seinerzeit eine spannende Herausforderung gewesen: ein komplexes Gebäude mit vielen Funktionen zu entwerfen, offen und bürgernah sollte es sein, ein schmaler und langer Bauplatz, mitten in der Stadt gelegen und dicht umgeben von den Nachbarhäusern. „Heute, fast zehn Jahre später, wünschen wir uns, dass die Bürger sich mit dem Gebäude identifizieren. Schließlich ist es der Ort, wo die Räte von VG und Stadt künftig ihre Entscheidungen treffen“, betont Flemming. Damit übergab er den Schlüssel in Form eines überdimensionalen Transponders (ein elektronischer Türöffner) an den Bürgermeister. Die beiden Pfarrer Steffen Henrich (kath.) und Fabian Schley (ev.) segneten „das Haus und alle die darin gehen ein und aus.“ Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte während der Feier das Team von Miss-Food aus Niederelbert.

Die Ortsgemeinden und die Stadt Montabaur
24 Ortsgemeinden und die Stadt bilden die Verbandsgemeinde Montabaur. Die Verwaltung arbeitet für alle Mitgliedsgemeinden und damit für alle Menschen, die hier leben. Das soll sich schon außen am Gebäude zeigen. Neben dem Haupteingang und dem Briefkasten sind quadratische Zeichnungen aufgebracht, die scheinbar willkürlich bronzefarbene Linien zeigen und die Namen der einzelnen Orte tragen. Tatsächlich handelt es sich um das topografische Profil der jeweiligen Ortslagen, das so individuell wie ein Fingerabdruck ist. Dabei sind die Quadrate Ausschnitte eines großen Gesamtwerks: Im Foyer findet sich ein Wandgemälde, das die Karte der VG zeigt und nur aus topografischen Linien besteht. Wer möchte, kann ein Spiel daraus machen und auf der großen Karte den Ausschnitt der eigenen Ortsgemeinde suchen. Idee und Umsetzung stammen von der Agentur 22quadrat aus Osnabrück.

Der Umzug
Für den Umzug bleibt die Verwaltung am 13. und 16. November geschlossen; am 17. November um 8.00 Uhr beginnt dann der Betrieb im neuen Verbandsgemeindehaus. Der Verbandsgemeinderat wird das erste Mal am 17. Dezember im neuen Ratssaal zusammenkommen. Bis zum Einzug wird noch eine Vielzahl von Restarbeiten im Gebäude erledigt, es werden Mängel beseitigt und Außenbereiche hergerichtet. „Entscheidend für alle weiteren Schritten ist die Einrichtung der neuen Serverräume und der Aufbau des IT-Netzes im Haus, das sowohl kabelgebunden als auch kabellos laufen wird. Das ist die Aufgabe für unser hauseigenes Team ebenso der Aufbau der neuen Schließanlage“, erklärt der Bürgermeister. Außerdem werden verschiedene Abläufe probehalber durchgespielt. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Bürgerbüro. „Das muss laufen, sonst macht der Umzug keinen Sinn“, so Richter-Hopprich. Die Freiwillige Feuerwehr Montabaur hat unterdessen bereits eine Übung im neuen Verbandsgemeindehaus durchgeführt. „Das hat gut geklappt. Aber wir haben ein paar Punkte gefunden, wo wir noch nachbessern müssen, z.B. beim Funkempfang im Gebäude“, berichtet der Erste Beigeordnete Tobias Panne, der für den Brandschutz zuständig ist.

Rundgänge für Interessierte
Im Oktober werden Bürgermeister Richter-Hopprich und der Erste Beigeordnete Panne öffentliche Rundgänge für interessierte Bürgerinnen und Bürger durch das Verbandsgemeindehaus anbieten. Wer also schon vorab das Bürgerbüro, den Ratssaal, den Trausaal oder die Bürobereiche sehen oder den einmaligen Blick von der Dachterrasse genießen möchte, kann an einer der Führungen teilnehmen. Diese dauern etwa 1,5 Stunden. Eine Anmeldung ist erforderlich. Terminübersicht und Anmeldung unter www.vg-montabaur.de oder mit dem Smartphone über einen QR-Code.

Der Zeitplan
Der Spatenstich für den Neubau erfolgte im Frühjahr 2020, kurz nach Beginn der Corona-Pandemie. Damals sah der ambitionierte Zeitplan noch vor, dass die Verwaltung 2023 in das Gebäude einziehen könne. Doch im Laufe der Arbeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen, weil einzelne Firmen nicht oder nur sehr langsam arbeiteten oder Fehler gemacht haben, die dann zunächst behoben werden mussten. So geriet der Zeitplan immer mehr aus den Fugen, so dass nachfolgende Gewerke nicht zum vereinbarten Termin beginnen konnten und neue Fristen ausgehandelt werden mussten. Zusätzlich führten ein Wasserschaden und Lieferengpässe bei Material (ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine) zu weiteren Verzögerungen.

Die Kosten
Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und die nachfolgende Energiekrise führten in Deutschland allgemein zu einer Steigerung der Baukosten um rund 60%. Besonders betroffen ist der öffentliche Bau wegen der geringen Wahl- und Verhandlungsmöglichkeiten der Auftraggeber. „Die Kosten für das Gesamtprojekt Verbandsgemeindehaus lassen sich heute noch nicht genau beziffern. Wir gehen davon aus, dass wir unseren ursprünglichen Kostenrahmen um 15 bis 20 Prozent überziehen werden. Das ist sehr viel Geld, es ist das Steuergeld der Bürger und Unternehmen in unserer Verbandsgemeinde. Das schmerzt besonders“, erklärt der Bürgermeister. Angesichts der allgemeinen Kostensteigerung im Bau- und Energiesektor und angesichts der Tatsache, dass die Verwaltung ohne den Neubau irgendwann handlungsunfähig geworden wäre, „kann ich die zusätzlichen Ausgaben besser akzeptieren. Ein Abbruch des Projektes nach Baubeginn hätte bedeutet, viel Geld zu verlieren. Und wir haben zu keinem Zeitpunkt eine bessere Alternative gesehen“, so Richter-Hopprich. Er kündigte an, dass die aktuelle Kostenübersicht und das weitere Vorgehen ausführlich in der nächsten öffentlichen Sitzung des VG-Rates am 1. Oktober vorgestellt werden.

Der Neubau in Zahlen
Das Verbandsgemeindehaus ist 92 Meter lang und an der höchsten Stelle 25 Meter hoch. Es hat eine Nutzfläche von rund 6.000 Quadratmeter. Darauf verteilen sich Arbeitsplätze für mehr als 200 Mitarbeiter sowie Empfang, Bürgerbüro, Sozialbüro, Ratssaal, der Trausaal mit eigenem Foyer und 15 Besprechungsräume. Es wurden rund 10.000 Tonnen Beton und 670 Tonnen Stahl verbaut, 328 Fenster, 19.000 Ziegeln und fast 200 Quadratmeter Photovoltaik-Module. Unter der Bodenplatte befinden sich 20 Erdsonden, die jeweils 150 Meter tief ins Erdreich gebohrt wurden, um das Gebäude zu heizen und zu kühlen. Es gibt zwei Treppenhäuser und zwei Aufzüge. Die Bauzeit betrug rund 6,5 Jahre. (VG Montabaur) 

Kategorie: Bunte Meldungen
Zugriffe: 44