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Seit fast zwei Jahrhunderten prägt die Ordensgemeinschaft das soziale Gesicht von Montabaur und dem Westerwald. Was 1856 mit einer kleinen Gruppe begann, entwickelte sich zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte der Caritas.

Montabaur. Es ist ein entscheidendes Ereignis, das die Kongregation der Barmherzigen Brüder in Montabaur in diesem Jahr mit Stolz und Dankbarkeit feiert: Vor 170 Jahren, am 29. Juni 1856, legte der Westerwälder Peter Lötschert – später bekannt als Bruder Ignatius – den Grundstein für eine Gemeinschaft, die bis heute für bedingungslose Hilfe steht. Unabhängig von Alter, Stand oder Konfession verschrieben sich die Brüder der Pflege von Menschen in Not. Dieses Jubiläum wird am 29. Juni mit einem feierlichen Festgottesdienst gewürdigt.

Die Wurzeln der Gemeinschaft liegen im heutigen Höhr-Grenzhausen, wo Peter Lötschert 1820 als drittes von neun Kindern geboren wurde. Obwohl ihm der Weg zum Priesteramt wegen fehlender Gymnasialbildung verwehrt wurde, fand er seine Berufung in der Krankenpflege. Inspiriert durch die Vinzenz- und Piusvereine und fachlich ausgebildet bei den Alexianern in Aachen, begann er 1852 in Hillscheid Gleichgesinnte um sich zu scharen.
Ein entscheidender Rückhalt war dabei die Heilige Katharina Kaspar. In engem Austausch mit dem Limburger Bischof setzte sie sich für Lötscherts Vorhaben ein. Lötschert und die Heilige Katharina Kaspar kannten sich persönlich und schätzten ihr gegenseitiges Wirken sehr. Schließlich wurden Lötschert und drei Gefährten am 29. Juni 1856 in der Kapelle der Armen Dienstmägde in Dernbach eingekleidet. Ihr Leitspruch „Die Liebe Christi drängt uns“ (Caritas Christi urget nos) wurde zum Fundament ihres Wirkens. Aus Peter Lötschert wurde Bruder Ignatius.

Was zunächst ohne eigenes Haus begann, wuchs schnell: 1860 entstand das Mutterhaus in Montabaur, 1883 folgte das erste Krankenhaus. In der Blütezeit weitete sich das Engagement auf 45 stationäre Einrichtungen in Deutschland, den Niederlanden und den USA aus – von Reha-Kliniken bis hin zu psychiatrischen Zentren.
Besonders in Montabaur ist das Wirken der Brüder tief im kollektiven Gedächtnis verwurzelt. Sie gaben zahllosen Menschen Arbeit, förderten und forderten ihre berufliche Lebenswege, retteten Verfolgte vor dem NS-Regime, sicherten Heimatvertriebenen die Existenz und bewahrten nach den Weltkriegen unzählige Kinder, Frauen und Männer durch Armenspeisungen vor dem Hungertod. Bis heute bleibt die Gemeinschaft ihren Wurzeln treu: Die Bedürftigen-Speisung gehört weiterhin zum festen Angebot.

Heute besteht die Ordensgemeinschaft in Montabaur – wie zu ihrer Gründungsstunde – aus vier Mitgliedern: Dem Generaloberen Bruder Michael sowie den Brüdern Erich, Quirin und Andreas. Auch wenn die strukturellen Veränderungen der Zeit Spuren hinterlassen haben, schmälert dies nicht die Vorfreude auf das Jubiläum.
Aufgrund der kleinen Gemeinschaft verzichten die Brüder auf große öffentliche Festlichkeiten. Stattdessen feiern sie das 170-jährige Bestehen in einem würdigen, kleineren Rahmen mit geladenen Ehrengästen – getreu ihrem Wesen: bescheiden, aber im Dienste der Mitmenschen. Interessierte jedoch sind herzlich eingeladen, das neue entstandene Mutterhaus nach Rücksprache zu besichtigen. (Barmherzige Brüder Montabaur) 

Kategorie: Bunte Meldungen
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