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Sie ist rund 700 Jahre alt und strahlt jetzt wieder jugendlichen Glanz aus: Die Alte Kellerei in Montabaur wurde in liebevoller Kleinarbeit von Grund auf saniert: Vier Wohnungen und ein großer Büroraum im Erdgeschoss werden neues Leben in das alte Gemäuer bringen. Stolz führte der Hausherr Jörg Orthey die Mitglieder des Stadtrates durch das 3-stöckige Haus an der Judengasse, das den Charme von Jahrhunderte altem Fachwerk mit modernem Wohnkomfort verbindet. 2017 hatte die Stadt das historische Gebäude erworben und unter dem Motto „Retter gesucht – Alte Kellerei in liebevolle Hände abzugeben“ einen neuen Besitzer gesucht, der den denkmalgeschützten „Klapperkasten“ saniert und einer neuen Nutzung zuführt. Nur so konnte die Alte Kellerei vor dem weiteren Verfall bewahrt werden. Mit viel Geduld, Geld und großer fachlicher Expertise hat Orthey sein Projekt jetzt zum Erfolg geführt. Das geschah in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und der Stadt, die die Maßnahme im Rahmen der Stadtsanierung gefördert hat. Die Wohnungen und das Büro stehen ab Juli zum Verkauf.

Jörg Orthey ist in Montabaur aufgewachsen. Er ist Architekt, lebt und arbeitet heute in Münster. Er hat viel Erfahrung mit der Restaurierung alter Fachwerkhäuser. „Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass die alte Kellerei eine solche Herausforderung werden könnte. Ich habe mehr als einmal ans Aufgeben gedacht. - aber es zum Glück nicht gemacht“, fügt er heute stolz hinzu. Nach der Übernahme des Gebäudes, das zuvor etliche Jahre leer gestanden hatte, hat er mit der Entkernung begonnen. „Es gab fast täglich neue Überraschungen und jede bedeutete eine neue Herausforderung“, erinnert er sich. Viele, teils gravierende Baumängel waren bei der letzten so genannten Sanierung in den achtziger Jahren nicht behoben, sondern einfach hinter Gipskarton versteckt worden. „Das Ausmaß konnte niemand erahnen.“ In der Folge hat Orthey innen wie außen viel marode Bausubstanz herausreißen müssen. Das Gebälk in der Fassade ist teils neu, teils alt und wurde komplett mit Lehmziegeln ausgemauert. Verputzt und gestrichen wird es erst in zwei Jahren. „So lange soll es noch atmen und sich setzen“, so der Hausherr. Viele Arbeiten hat der Zimmerermeister Thomas Becker ausgeführt, der auf Fachwerk spezialisiert ist und schon etliche Häuser in der Altstadt saniert hat. Es wurden weitgehend ökologische Baustoffe verwendet, so wie es zu einem alten Fachwerkhaus passt, aber das Haus ist mit moderner Technik wie einer Wärmepumpe und Wandflächenheizungen ausgestattet.

Eine besondere Entdeckung machte Jörg Orthey im Erdgeschoss: Unter einer alten Klappe fand er einen fünf Meter tiefen Gewölbekeller, der zum großen Teil mit Bauschutt verfüllt war. Freunde und Verwandte haben geholfen, alles ans Tageslicht zu befördern. „Ich musste wissen, wie tief das runtergeht. Schließlich befinden sich dort auf der alten Stadtmauer die Fundamente für das Haus“, berichtet er. Der große Raum im Erdgeschoss kann künftig als Büro genutzt werden. Herzstück ist ein alter Eichenbalken, auf dem das ganze Haus zu ruhen scheint. „Der ist nicht mehr Original, aber eine 1:1-Nachbildung, aus einem Stamm gefertigt“, berichtet Orthey. Um die oberen Stockwerke zu erschließen, wurde eine außenliegende Treppe vor das Gebäude gesetzt. Dieses dient im Sommer als Balkon für die künftigen Bewohner.

Kurz vor dem Verkauf der Wohnungen hatte Jörg Orthey den Stadtrat zu einem Rundgang durch das alte neue Haus eingeladen, um sich für die Unterstützung zu bedanken. „Sie haben ein historisches Gebäude vor dem Abriss gerettet und ein echtes Schmuckstück daraus gemacht. Ich freue mich schon darauf, wenn hier bald Leute wohnen. Ich bin sicher: Die Bewohner werden sich hier wohlfühlen. Die Aussicht auf die Stadt und das Sauertal sind einzigartig“, so das Lob der Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher. Das historische Gebäude
Das Alter des Gebäudes in der Judengasse ist nicht genau bekannt. Es verfügt über einen großen Gewölbekeller mit zwei Öffnungen, die durch die Stadtmauer hindurch einen Blick auf das Sauertal ermöglichen. Vermutlich wurden diese Keller zusammen mit der Stadtmauer errichtet und können damit auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden. Weiterhin ist davon auszugehen, dass das ursprüngliche Gebäude beim großen Stadtbrand 1534 mit abgebrannt ist und um 1594 auf dem alten Keller neu aufgebaut wurde. Dabei wurde das Erdgeschoss aus Stein und die beiden Obergeschosse in Fachwerkbauweise errichtet. Seither hatte es wechselnde Besitzer und Funktionen. Die letzten Eigentümer sind 2013 vom Eigentum zurückgetreten, seither war das Gebäude herrenlos und verwahrloste zusehends. Um diese negative Entwicklung zu stoppen, hatte die Stadt Montabaur im Jahr 2017 Haus und Grundstück übernommen.
Die Alte Kellerei
1291 erhielt Montabaur die Stadtrechte. Die damaligen Landesherren waren die Kurfürsten von Trier, die einen Amtmann als Vertreter des Landesherrn vor Ort einsetzten. Dieser wiederum setzte einen so genannten „Keller“ oder auch „Kellner“ für die Aufgaben der Finanz- und Wirtschaftsverwaltung ein. Der „Keller“ residierte mindestens ab 1415 und vermutlich bis 1534 in dem Gebäude an der Judengasse, das daher „Kellerei“ genannt wurde. Da der „Keller“ unter anderem dafür zuständig war, die vielfältigen Geld- und Naturalabgaben für den Landesherrn einzuziehen, brauchte er in seiner „Kellerei“ auch entsprechende Lagermöglichkeiten für die Naturalien. Dazu wurde der geräumige Keller genutzt; auf dem Speicher wurden Früchten aller Art gelagert. Nach dem Wiederaufbau des Gebäudes um 1594 wurde das Gebäude fortan „Alte Kellerei“ genannt, was darauf schließen lässt, dass sich die eigentliche „Kellerei“ inzwischen wieder im Schloss befand (wie vor 1415) und die „Alte Kellerei“ in Privatbesitz überging. (Quelle: Stadtarchiv Montabaur)  (VG Montabaur) 

Kategorie: Bunte Meldungen
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