ARBEIT, PROBLEME UND CHANCEN ALLER KUTLURTREIBENDEN VEREINE WAR THEMA
Montabaur/Holler. Hier spielt die Musik – das zumindest an jedem Freitag! Denn dann gehört die schmucke Sport und Kulturhalle in Holler allein den zahlreichen jüngeren und älteren Musikerinnen und Musikern eines Vereines. Hintereinander proben dann ab Mittag das Vororchester, das Ausbildungsorchester und das Jugendorchester sowie zum Abschluss das starke Sinfonische Blasorchester des Musikvereins Holler e.V. Gut, dass der Besuch der Kulturschaffenden im Netzwerk „MT-Kulturtreff“ an einem Donnerstag stattfand, an dem jedoch am Abend in der Halle schon der bevorstehende Probetag vorbereitet wurde. Für die Gäste passte das ideal und sie hatten viele zu besprechende Themen rund um die lokale Kulturpolitik in der Region zu ihrem halbjährlichen Treffen mitgebracht.
Für den gastgebenden Musikverein begrüßte der langjähriger Vorsitzender Theo Ferdinand in dessen zur Halle gehörenden Vereinsräumen die Gäste. Uli Schmdit freute sich als Koordinator des MT-Kulturtreffs bei seiner Begrüßung darüber, dass es fast 5 Jahre nach den Pandemie noch Interesse an solch einem lockeren Zusammenschluss der Kulturschaffenden der Region gibt. Schwerpunktthema der Zusammenkunft war diesmal die Arbeit der traditionsreichen kulturtreibenden Vereine in der Region – also Musik-, Theater- und Gesangvereine.
Für die Theatervereine blickte Volker Müller-Strunck als Vorsitzender bei seinem einleitenden Statement zunächst auf 60 gefeierte erfolgreiche Jahre Amateurtheater „Die Oase“ in Montabaur zurück. “Wir konnten in einer Spielzeit 2025 drei Stücke auf die Bühne bringen und ein landesweites Theatertreffen organisieren“, so der Hobby-Schauspieler. Anspruchsvoll sei im Verein die Unterhaltung des eigenen Theatergebäudes im Industriegebiet Alter Galgen und bei den Aktiven fehle leider zunehmend der Mittelbau im Alter von etwa 25 bis 45 Jahren!
Raimund Schäfer war für den Chorverband Westerwald nach Holler gekommen, der seit 2015 den gesamten Westerwaldkreis betreut. „Leider ging die Zahl der Chöre in unserem Verband auf aktuell etwa 100 zurück, jedoch seien auch einige gefestigt aus der Pandemie herausgekommen“, so das langjährige Vorstandsmitglied. Jedoch bestätige sich immer öfter die Erfahrung, dass leistungsorientierte Chöre weniger personelle Probleme hätten. Er bot bei Bedarf allen Chören die personelle und auch finanzielle Unterstützung des Verbands an.
Wie man erfolgreich einen Musikverein aufbauen kann, zeigte dann Theo Ferdinand auf. „Beginnend mit der umfangreichen musikalischen Früherziehung bis zum Jugendorchester haben wir in unserem Ausbildungssystem bis zu 150 Nachwuchsmusiker/innen integriert“ , so der erfahrende Vereinsmanager, der auch an die richtungsweisenden Verdienste des damaligen Dirigenten Wolfgang Lang erinnerte. Eine so erfolgreiche Jugendarbeit sei mit viel Aufwand verbunden, ermögliche aber eine musikalische und instrumentale Ausbildung auf hohem Niveau.
Ein weiters Thema war die ab dem 1.8.2026 in Rheinland-Pfalz stufenweise geltende Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. „Da kommt was Großes auf uns zu und bei der Umsetzung sind Angebote der kulturtreibenden Vereine sehr willkommen und hilfreich“, meinte dazu Montabaurs City-Manager Oliver Krämer. Dem stimmten alle anwesenden Kulturaktivisten zu - so auch Georg Poell vom Kultur- und Naturschutzzentrum b–05 im Horresser Stadtwald. Uli Schmidt berichtete für den Förderverein des Wildparks in Gackenbach, dass es dort auch Überlegungen zum Aufbau einer Wildparkschule gebe, die jede Grundschule ganz sicher gerne zur Erfüllung des Rechtsanspruchs in Anspruch nehmen würde. Er konnte jedoch eine zeitnahe Realisierung nicht in Aussicht stellen.
Berichtet wurde von der 2. Landeskulturkonferenz in Mainz mit dem Schwerpunkt kulturelle Teilhabe junger Menschen, die auch immer wieder Thema im MT-Kulturtreff ist. Informiert wurde darüber hinaus über das im Frühjahr 2026 in Nassau von der Kulturstiftung RLP mit Unterstützung der Leifheit-Stiftung zu eröffnende regionale Kulturprojektbüro. Dieses soll auch die ehrenamtlich Engagierten im Westerwälder Kulturbereich unterstützen. Vereinbart wurde, die Kooperationsmöglichkeiten in der Region zur Umsetzung des Mottos „Die goldenen Zwanziger“ im Kultursommer RLP mit dem Fokus auf den Aufbruch in Musik, Kultur und Kunst zu nutzen – auch mit historischen Bezügen zur Region.
Am Ende von zwei für alle gewinnbringenden Stunden als Gast des Musikvereins Holler, riefen für die beteiligten kulturtreibenden Vereine Raimund Schäfer (Gesang), Volker Müller-Strunck (Theater) und Theo Ferdinand (Musik) dazu auf, sich insgesamt besser zu vernetzen und spartenübergreifend mehr zusammenzuarbeiten. Zum nächsten „MT-Kulturtreff“ wird im Herbst 2026 in das neue Jugend-, Kultur- und Bürgerzentrum in Höhr-Grenzhausen eingeladen – also dann mal etwas weiter weg vom heimischen Mons Tabor. Die Idee, die dahinter steckt: mal überlegen, ob so eine tolle Einrichtung auch in der Kreisstadt möglich sein könnte. (Uli Schmidt)