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20200604 Familienberatung CaritasCorona-Pandemie stellt Familien vor eine Herausforderung
WESTERWALDKREIS/RHEIN-LAHN-KREIS. Die Corona-Pandemie stellt derzeit nicht nur die Wirtschaft und das öffentliche Leben auf den Prüfstand. Auch in den eigenen vier Wänden ist die Krise zu spüren. Meldungen von steigenden Zahlen häuslicher Gewalt sowie Berichte über Stresssituationen in der Familie häufen sich. „Wir alle sind durch die Corona-Pandemie mit einer Situation konfrontiert, die uns als Einzelne wie auch als Familien und als Gesellschaft vor ungewohnte Herausforderungen stellt - nicht nur ökonomisch und medizinisch, sondern auch aus zwischenmenschlicher und psychologischer Sicht“, betont Thomas Jeschke, Stellenleiter der Familienberatungsstellen beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn. Claudia Schneider, Psychologin und Erziehungsberaterin beim Caritasverband, erklärt: „Für viele Menschen ist die Nähe, in der sie derzeit leben müssen, ungewohnt und ungeübt. Daher liegen die Nerven oft blank, Geduld und Belastbarkeit stoßen an ihre Grenzen. Daraus resultierend kommt es zu Konflikten und auch zu häuslicher Gewalt.“ Allerdings sehen Jeschke und Schneider die Corona-Problematik nicht ausschließlich in den Familien: „Andere Menschen wiederum leben alleine, vermissen den sozialen Kontakt und fühlen sich einsam“, so die Caritas-Experten.

Insbesondere solchen Menschen, aber natürlich auch für allen anderen Hilfesuchenden, steht die Caritas auch während der Corona-Pandemie mit Rat und Tat zur Seite. Zwar sind die Caritas-Zentren in Montabaur und Lahnstein aufgrund der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten weiterhin für den „offenen“ Publikumsverkehr geschlossen, dennoch können Interessierte auf die Hilfsangebote der Caritas-Beratungsstellen zurückgreifen. Die Beratungen erfolgen derzeit telefonisch, in Form einer Online-Beratung oder als Video gestützte Beratung. „Auch Präsenz-Beratungen in den Familienberatungsstellen sind nach wie vor möglich, insofern die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Dafür ist aber eine vorherige Anmeldung dringend notwendig“, erläutert Thomas Jeschke.
Kontakt zu den Beratungsstellen der Caritas: Für den Rhein-Lahn-Kreis: Caritas-Beratungszentrum in Lahnstein, Telefon 02621/920860, E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Für den Westerwaldkreis: Caritas-Beratungszentrum in Montabaur, Telefon 02602/160622, E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Online Beratung ist möglich unter www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung. Weitere Infos gibt es außerdem unter www.caritas-ww-rl.de.

„Es ist wichtig, über das Geschehen zu sprechen“
Caritas-Experten geben Anregungen, wie Stress vermieden werden kann
Die Corona-Krise zehrt vielen an den Nerven. Stresssituationen entstehen, die schließlich zu Konflikten führen können. Oft kann man dem vorbeugen. Thomas Jeschke und Claudia Schneider von der Caritas-Familienberatung haben daher einige Anregungen, wie Sie auch in stürmischen Zeiten psychisch stabil bleiben können.
„Wichtig ist es, sich richtig zu organisieren. Geben Sie Ihrem Tag daher Struktur. Legen Sie feste Zeiten für die Schularbeiten der Kindern fest, ebenso für Mahlzeiten und Spielen und – ja, auch das darf sein – für Entspannung und Multimedia“, so die Experten. Außerdem sollte man die Informationsflut dosieren, rät Jeschke. „Auch wenn wir über die Entwicklungen auf dem Laufenden sein möchten, ist es sinnvoll, bewusst zu dosieren, wieviel Zeit wir uns dem Krisenthema aussetzen möchten.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, über das Geschehen zu sprechen: „In Krisenzeiten tut es gut, mit Anderen über das Unfassbare zu sprechen. Dabei sollten wir jedoch vermeiden, pausenlos Fakten und Zahlen oder gar Horror-Szenarien auszutauschen. Sprechen Sie vielmehr darüber, welche Gedanken, Gefühle oder Ängste Sie zu dem Geschehen haben – damit kommen Sie wieder bei sich selbst und Ihrem Erleben an“, sagt Claudia Schneider. Wichtig seien aber auch Dinge wie Ablenkung (z.B. mit einem Hobby oder anderen Tätigkeiten), Selbstfürsorge (erholsamer Schlaf, gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung), sportliche Aktivitäten („Möglichst im Freien.“) sowie Kontakte und Verbundenheit pflegen („Nutzen Sie beispielsweise vorhandene Medien, um Gespräche zu führen oder gemeinsam etwas zu erleben und beziehen Sie dabei insbesondere Allein-Lebende mit ein.“). Als letzten wichtigen Punkt nennen die Caritas-Familienberater das Lachen: „Auch wenn Sie jetzt denken ‚Wir haben nichts zu lachen‘, versuchen Sie es! Es gibt auch gute Nachrichten, und in den aktuell ungewohnten Alltagssituationen kommt es mitunter ungewollt zu skurrilen oder witzigen Szenen, die ruhig belächelt oder belacht werden dürfen“, unterstreichen Thomas Jeschke und Claudia Schneider.

Foto / Quelle (2020-05 Thomas Jeschke Familienberatung)

Kategorie: Service, Tipps und Lebenshilfe
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